Gemeindechronik Rieden-Zellerberg



Gemeindechronik Rieden-Zellerberg

Bild: Rieden (Mitte) als Teil des Herrschaftsgebietes von Irsee im Jahre 1756.
Rieden (Mitte) als Teil des Herrschaftsgebietes von Irsee im Jahre 1756.

Kurzfassung:

Die Gemeinde Rieden (Postleitzahl 87668) gehört seit der Gebietsreform 1972 zum Landkreis Ostallgäu.

Die beiden Ortsteile Rieden und Zellerberg hatten am 31.12.1999 zusammen 1390 Einwohner. Die Grundfläche beträgt 840,32 Hektar. Gemessen bei der Riedener Kirche liegt der Ort 659 Meter über Meereshöhe, in Zellerberg beim Bahnhofsgebäude sogar 663 Meter über Meereshöhe.

 
Bild: Hügelgräberfeld aus der Hallstatt-Zeit zwischen Zellerberg und der Wertach.
Hügelgräberfeld aus der Hallstatt-Zeit zwischen Zellerberg und der Wertach.

Bis zur Erbauung des Schlingener Stausees (1953-55) schlängelte sich die Wertach an der westlichen Flurgrenze entlang. Seit Existenz des Sees ist das Flussbett aber kaum noch erkennbar. Im Osten, vom "Dürrewald" bis zur Bahnüberführung, wird das Flurgebiet von der Bahnlinie München - Lindau durchschnitten. Als am 1. September 1847, die Ludwig-Süd-Nord-Eisenbahn in Betrieb genommen wurde, führte die Strecke von Augsburg bis Kaufbeuren und in Etappen weiter bis Lindau. In den Jahren 1904/05 wurde die Bahnlinie zweigleisig ausgebaut. Die schienengleichen Bahnübergänge ersetzte man durch vier Unterführungen und 1911 beim Bahnhof Pforzen durch eine Bahnüberführung.

Am westlichen Hang des abflachenden Lindenberges angeschmiegt lag die Ursiedlung. Das Haufendorf Rieden mit der Pfarrkirche St. Martin von Tours befindet sich in etwa in der Mitte der Gemeindeflur.

Die erste urkundliche Erwähnung von Rieden stammt aus dem Jahr 1242. Davon existiert aber nur eine Abschrift, das Original ist verschollen. Die Gründung von Rieden wird dem Kloster Ottobeuren zugeschrieben. Die Erstbesiedlung lag aber mit Sicherheit Jahrhunderte zurück. Bis heute existieren noch Hügelgräber aus der Hallstattzeit rechts und links der Wertach. 

 
Bild: Luftaufnahme von Zellerberg (Vordergrund) und Rieden (Hintergrund) aus dem Jahre 1983.
Luftaufnahme von Zellerberg (Vordergrund) und Rieden (Hintergrund) aus dem Jahre 1983.

Auch die Römer haben in diesem Wertachabschnitt ihre Spuren hinterlassen. Über die Entstehung des Namens Zellerberg sind sich die Ortsnamensforscher einig. Er stammt vom Flurnamen ab und dieser wiederum von dem ottobeurischen Missionsposten Zell - Zella mit Mühle, der bis zum Jahr 1470 existierte.

Beim Ortsnamen Rieden allerdings sind sich die Forscher nicht ganz schlüssig. Während die einen die Meinung vertreten, Rieden oder Rüeden sei abgeleitet von dem Wort Roden, vertreten Dr. Antonius Steichele und Dr. Alfred Schröder in dem Werk "Das Bistum Augsburg" eine andere Theorie. Nach ihrer Ansicht leitet sich der Name Rieden vom dem althochdeutschen Wort "hriot" ab, was so viel wie Sumpfgras bedeutet.

Tatsächlich ist ein schmaler Flurstreifen zwischen der Wertach und Rieden bis heute von kilometerlangen Kulturgräben durchzogen, die eine Bewirtschaftung dieser nassen Landschaft erst ermöglichten. Der Abbau von Torf, neben Holz und Kohle anno dazumal ein begehrtes Brennmaterial, wurde halbwegs erst nach einer Entwässerung möglich. Das dringend benötigte Weideland war nur von geringer Qualität. In diesem unwegsamen Gelände konnte erst Mitte des 19. Jahrhunderts die Verbindungsstraße nach Schlingen gebaut werden. Zuvor führte der Fahrweg an "Hutlers Halde" entlang und bog dann rechtwinklig nach Westen auf den "Bärenwinkel" ab.

In unserer heutigen Zeit ist Rieden in allen Richtungen mit der Straße OAL 13 und anderen ausgebauten Gemeindestraßen gut versorgt. Für die vielen Pendler, die Landwirtschaft und das Gewerbe sind diese Straßen eine wichtige Voraussetzung für die Lebensqualität innerhalb der Gemeinde. Auch an die Radler wurde gedacht, die das Flurgebiet insbesondere im Sommer in großer Zahl durchfahren.

 

Rieden in der NS-Zeit

Drohbrief an den Riedener Pfarrer aus dem Jahr 1933

Der Zweite Weltkrieg in Rieden – Aus den Tagebuchaufzeichnungen von Oberlehrer Max Holland

Die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg

1946
Die Einwohnerzahl Riedens ist aufgrund des Zuzugs von Flüchtlingen aus den Ostgebieten auf 596 angestiegen. Vor dem Krieg zählte man in Rieden 336 Einwohner.

Der bislang kommissarisch eingesetzte Bürgermeister Alois Ostler wird durch Wahlen in seinem Amt bestätigt und bleibt Bürgermeister bis 1948.

1947
Neuer Pfarrer ist Anton Schmid (bis 1956)

1948
Der neu gewählte Bürgermeister Wendelin Seitz führt dieses Amt bis 1962.

1949
Der aus Pommern stammende Gerhard Krüger (geb. 1919) meldet seine mechanische Werkstätte gemeindepolizeilich an:

1952
Krüger erhält seine ersten drei Patente: für einen "Allgäuer Dungseitenstreuer", einen Heuauflader und einen Turbo-Heuwender.

1956
Aufgrund steigender Schülerzahlen (90 Kinder) wird die Riedener Schule nun 3-klassig geführt.

1958
Rieden hat 369 Einwohner, Zellerberg 626 Einwohner

1959
Rückgang der Pferde in der Landwirtschaft auf 30; parallel dazu wuchs die Zahl der Zugmaschinen auf 38.

Die Firma Krüger errichtet ein Zweitwerk im österreichischen Kittsee / Burgenland.

1962
Josef Wallach wird neuer Bürgermeister. In seine Amtszeit (bis 1996) fallen zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur (u.a. Sportplatzerwerb, Erweiterung der Schule und des Kindergartens, Bau einer Turnhalle und eines Feuerwehr-Gerätehauses.

1963
Die Wohnsiedlung beim Bahnhof Pforzen wurde durch Baumaßnahmen der Bayerischen Landessiedlung Landeswohnfürsorge und durch Privatbauten vergrößert. Seit dem 19. Juli heißt der Ortsteil Zellerberg.

Bild: Betriebsgelände der Firma Krüger
Betriebsgelände der Firma Krüger

1965
Im März waren 306 Beschäftigte bei der Firma Krüger angestellt.

1978
Rieden bildet zum 1. Mai zusammen mit Pforzen und Markt Irsee eine Verwaltungsgemeinschaft mit Sitz in Pforzen. Vorsitzender war Bürgermeister Wallach.

 
Bild: Gerhard Krüger (1919-1984)
Gerhard Krüger (1919-1984)

1979
Rieden hat seit dem 5. Mai ein eigenes Wappen.

1982
Rieden zählt 1333 Einwohner

1984
Firmengründer Gerhard Krüger verunglückte tödlich. Sein Sohn Wilfried übernahm danach die Maschinenfabrik.

1998
Auf dem Betriebsgelände von Krüger wird der Krüger Technik Park eröffnet.

Seit dem Herbst 1992 sind beide Ortsteile mittels Pumpwerken an die  Gemeinschaftskläranlage "Wertach-Ost" angeschlossen. Als man im Jahr 1979 die Verwaltungsgemeinschaft Pforzen einrichtete, wurde Rieden neben Irsee Mitglied der VG.

In der Verbands-Hauptschule Rieden werden Schüler der Klassen 5 bis 9 aus den Ortschaften der Verwaltungsgemeinschaft unterrichtet.

Pfarrer Walter Böhmer betreut derzeit die beiden Pfarreien Rieden und Zellerberg als Seelsorger. Ihm stehen die Kirchenverwaltungen und die Pfarrgemeinderäte zur Seite.

Im Kindergarten erhalten zwei Gruppen ihr vorschulische Erziehung. Viele Vereine und Verbände verschiedenster Richtungen bilden den Rahmen für die kulturellen und sportlichen Betätigungen der Gemeinde. Die Spielvereinigung Rieden nimmt dabei mit den verschiedenen Unterabteilungen in punkto Aktivitäten und Mitgliederzahlen eine Schlüsselrolle ein.

Auf dem Kirchenfriedhof und dem 1964 errichteten Gemeindefriedhof finden die Verstorbenen aus den beiden Ortsteilen ihre letzte Ruhe.